Montag, 4. Juni 2007

Angst

Heute in den frühen Morgenstunden saß ich auf meinem Balkon und dachte über die Angst nach. Dabei fiel mir der kurze Satz aus meiner Kindheit ein „wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“. Ich kann leider nicht sagen, woher dieser Ausspruch kommt, aber bestimmt hängt er nicht mit den dunkelhäutigen Afrikanern zusammen.

Diesen kurzen Satz laß ich einfach beiseite, und befasse mich mit den eigentlichen Ursachen von Angst. Denn die Ursache sind sehr vielfältig, weil jeder Mensch ein gewisses Potential von Angst haben muß, um sich nicht selbst zu zerstören.

Es gibt eine normale Angst, die uns vor uns selbst beschützt, das heißt, sie verweigert uns, gefährliche Risiken einzugehen, manchmal wird es doch gemacht, und endet meistens mit dem Tode des Betroffenen.

Dann gibt es die Angst, die krankhaft ist, man nennt sie Phobie. Viele Menschen haben eine natürliche Abneigung gegen bestimmte Tiere, meistens sind es Mäuse, Spinnen, Schlangen und andere Krabbel- und Kriechtiere.

Oder sie haben Platzangst-Phobie, d.h. sie können in keinem engen Raum sein oder in einer Menschenmenge stehen, ohne nicht gleich in Angstzuständen auszubrechen, oder zu werden vor lauter Angst unmächtig.

Als ich so dasaß, dachte ich, wovor hast du eigentlich Angst?

Als Kind und später als Erwachsener hatte ich keine Angst, ich war eigentlich sehr vorsichtig. Wenn ich etwas machen wollte, das gefährlich aussah, dann überlegte ich zuerst und scheckte die Risiken für das eigentliche Unternehmen ab.

Wenn es es sich als gefährlich herausstellte, dann rückte ich von diesem Unternehmen ab, weil es nichts brachte, außer Ärger oder schwere Verletzungen.

Später als Pionier und Fallschirmjäger gab es eigentlich das kalkulierbare Risiko,aber ein Restrisiko blieb immer, das habe ich auch akzeptiert, denn das Leben besteht immer aus Risiken.

Jetzt zur Angst, was bedeutet sie für uns Menschen, ich bin natürlich eingeschlossen.

Die Angst besitzt ein gewisse Unsicherheit im Handeln, wenn man etwas machen muß, das man nicht kennt, oder wenn man es kennt, von einem selbst als gefährlich eingestuft wird. Diese Unsicherheit bestimmt eigentlich unser Handeln und Verhalten und zwingt uns, dieses Handeln vorher zu prüfen.

Die Natur hat die Angst in unserer Genetik festgelegt, aber in unterschiedlicher Weise, d.h. bei jedem Menschen ist die Sensibilität, Angst zu spüren, sehr unterschiedlich.

Wenn ich mich so betrachte, dann habe ich eine sehr hohe Sensibilität, Gefahren zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Der Mensch hat, genauso wie andere Tiere, die Fähigkeit, die Gefahr, die auf ihn zukommt, zu spüren, nur die sogenannte Kultur, hat ihn für die Gefahren stumpfsinnig gemacht, darum geraten viele Menschen in eine Gefahrensituation, in der sie umkommen bezw. sehr schwer verletzt werden.

Aber Angst hat jeder Mensch, das ist gewiss, nur manche zeigen es nicht. Dagegen zeigen andere ganz offen ihre Angst, so daß man nicht umhin kommt zu sagen, daß diese Angstzustände dann krankhaft sind.

Die Angst sichert dem Menschen sein Überleben auf diesem Planeten, wäre der Mensch ohne Angst, dann gäbe es schon lange keine Menschen mehr.

Auch die Flucht eines Menschen bedeutet, daß er momentan Angst vor etwas hat, und sich deshalb schleunigst aus dem Staub macht. Blöd wäre es schon, wenn man eine Fluchtmöglichkeit nicht ausnutzen würde, wo Heldentum unweigerlich zur eigenen Zerstörung führen würde.

Wenn ich so auf mein Leben zurückschaue, denn habe ich schon den Weg der Flucht gewählt, wenn sich dieser ergab, andererseits, wenn man in der Klemme saß, dann war der Angriff die beste Verteidigung. Aber auch diese Form eines Angriffs entspringt der Angst.

Viele Helden wurden deshalb Helden, weil sie Angst hatten und keinen anderen Ausweg sahen, entweder zu sterben oder heil aus dieser Situation herauszukommen.

Also werden Helden aus der eigenen Angst geboren.

Aber die Angst ist die Mutter der Vorsicht, so war immer mein Leitspruch, und ist er heute noch.

„ich denke also bin ich“ und „ich weiß, daß ich nichts weiß“ und „die Angst ist die Mutter der Vorsicht“

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