Freitag, 23. März 2007

Störtebekker

Als ich so elf Jahren alt war, ich wohnte damals in Nordfriesland - so 15 Km von der Nordseeküste entfernt – hörte ich eine Geschichte, die mich sehr interessierte. Man erzählte, dass Störtebekker, der von 1340 bis 1400 die Ost- und Nordsee unsicher machte, einen Schatz in einem alten Bauernhaus bei Klixbüll versteckt hatte. Zu Zeiten von Störtebekker hatten Sturmfluten Wasserwege in das Land getrieben, so dass ein Wasserarm bis zum Dorf Klixbüll reichte.

Störtebekker hatte eine Kogge, die keinen tiefen Seegang hatte, im Gegensatz zu den Koggen der Hanse. So war es für Störtebekker ein Leichtes, diese flachen Wasserarme zu befahren.

So entstand die Geschichte um einen Schatz in diesem besagten Bauernhaus.

Das Bauernhaus stand etwas außerhalb des Dorfes, es war nicht mehr bewohnt, die letzten Besitzer sollen 1946 verstorben sein, und es gab keine Erben.

Für uns Jungens war die Geschichte bare Münze, und wir rüsteten auf, um den großen Schatz zu heben. Reich wollten wir durch den Schatz werden, das auf jeden Fall.

Es war im Mai, die Sonne strahlte vom Himmel, der ausnahmsweise einmal ohne Wolken war. Und wir waren voller Tatendrang und machten uns deshalb auf den Weg zum Schatz.

Das Dorf war nicht weit vom Heimatdorf entfernt, so erreichten wir nach einer Stunde unser Ziel. Der Bauernhof sah schon etwas verfallen aus, aber ansonsten waren Dach und Wände noch sehr stabil, wenn man bedenkt, dass der Gebäude schon 500 Jahre alt waren.

Als erstes durchsuchten wir das Wohngebäude. Wir stiegen die Stiege zum Dachboden hinaus, der war leer. Nun gut, nach dem Krieg, der 1945 zu ende gegangen war, haben die Menschen alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest war.

Das kamen Küche, Wohnstube und Schlafräume dran, aber es gab auch da nichts zu finden. Einen Kellerraum gab es nicht. Aber wir ließen uns nicht entmutigen, denn es gab noch die Stallungen. Wir gingen zu den Stallungen und durchsuchten die, aber auch hier gab es nichts, was auf einen Schatz hätte schließen lassen.

Die Euphorie, die uns am Beginn der Schatzsuche beseelte, sank erheblich, und wir machten uns keine Illusionen mehr, aber es blieb noch die Scheune, sie war für uns die einzige Rettung, den Schatz doch noch zu finden, um sehr reich zu werden.

Bevor wir mit der Suche begannen, ruhten wir uns erst einmal aus, besonders in der Sonne sitzend war sehr angenehm.

„Ob der Schatz in der Scheune liegt?“ fragte Dieter.

Wir antworteten nicht gleich. Jeder hing scheinbar seinen Gedanken nach.

„Der Schatz kann nur inder Scheune liegen“, sagte ich mit Bestimmtheit.

Andreas und Martin stimmten mit dem Kopf nickend zu, und wir machten uns an die Arbeit.

Die Scheune wurde jetzt durchsucht. Jeder Winkel der Scheune wurde in Augenschein genommen und nichts wurde ausgelassen, auch rein gar nichts.

„Hier gibt es auch nichts, keinen Schatz, eher ein paar Ratten, aber die haben wahrscheinlich auch schon das Weite gesucht“, sagte Martin.

Eigentlich mußten wir ihm zustimmen, aber es war ein Gefühl da, das irgendwie unangenehm war. Plötzlich kam Dämmerung auf. Es war erst gegen Mittag. Wir scheuten uns um, aber es wurde etwas dunkler, wenn auch nicht viel. Was dann auffiel war die Kälte, die langsam heraufzog. Ich dachte noch, das hier ist kein Eiskeller.

Dann, ganz plötzlich standen in der Scheune viele Truhen. Die Deckel der Truhen waren geöffnet, und wir sahen das Glitzern und Funkeln von Gold, Silber und Edelsteinen.

Wir sahen uns entgeistert um und blieben wie erstarrt auf unseren Plätzen stehen.

Oh, dann kam etwas, womit man nicht rechnen konnte. Es erschien eine Gestalt, die wie Störtbekker aussah, aber auch andere Gestalten erschienen. Er guckte uns böse an. Mir schien etwas in die Hose zu rutschen, symbolisch gesehen.

„Ihr wollt meine Schätze haben“, rief plötzlich die Gestalt mit donnernder Stimme, „dann müßt ihr eure Seelen verschreiben. Mein Freund Satan hat besonders junge Seelen gern.“

Sehen die wild aus, dachte ich nur, und dann wie auf Kommando drehen wir uns um und gaben Fersengeld. So schnell bis ich noch gelaufen, wie damals.

Als wir das nächste Dorf erreichten, es war etwa vier Kilometer von dem Bauernhof entfernt, setzten wir uns auf einen kleinen Erdwall und ruhten uns vom Laufen und Schreck aus.

Rings um uns herum, war wieder alles hell. Die Sonne schien vom Himmel und hatte die Luft gut erwärmt.

Nach etwa einer halben Stunde machten wir uns auf dem Nachhauseweg.

Es muß ein halbes Jahr nach diesem Erlebnis gewesen sein, ich weiß es nicht mehr so genau, wurde der Hof von einem Bauern aufgekauft. Die Frau des Bauern fand ihren Ehemann mit 20 Säbeleinstichen im Körper tot in der Scheune, da wo wir die Schatztruhen gesehen hatten.

Die oder den Täter suchen sie heute noch.

„ich denke also bin ich“ und „ich weiß, daß ich nichts weiß“

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