Sonntag, 25. März 2007

Die Tote im Moor

Meine Freunde und ich waren wieder einmal auf dem Kriegspfad. Wir schlichen durch einen größeren Wald, der nur fünf Kilometer vom Dorf entfernt war. Vor diesem Wald gab es eine Dünenlandschaft, die mit Gras und Erikapflanzen bewachsen war.

Wir gingen gerne durch diese Dünen durch, weil sie viel an Geheimnissen boten, so daß man diese Geheimnisse erforschen mußte.

Es gab auch ein Moor in dieser Gegend, das sich über zehn Kilometer hinzog, in der länge und war etwa vier Kilometer breit. Viele Wege führten durch das Moor, so gingen die meisten Menschen um das Moor herum, weil sie diess festen Wege nicht kannten.

Es gab auch Geschichten, die von Menschen erzählten, die im Moor verschwunden waren, ohne je wieder aufzutauchen.

Aber für uns hatten diese Geschichten ein echten Hintergrund, und so wollten wir wissen, ob diese Geschichten auch stimmten.

Es war ein nebliger Novembertag. In Nordfriesland ist der Monat November immer der Nebelmonat. Man sagte auch, es sei der Monat der Toten, aber das hat uns nicht beeindruckt, wir fanden den Nebel hervorragend, denn im Nebel konnte man unerkannt verschwinden.

Aber an diesem Tag wollten wir unbedingt zum Moor, und der Wunsch war wie ein Zwang, gegen den nichts machen konnte. Also gingen wir zum Moor.

Zuerst mußten wir durch den Wald. Für ängstliche Menschen war es schon unheimlich durch den Wald zu gehen, wenn die Baumwipfel im Nebel waren und Nebelschwanden zwischen den Bäumen durchzogen. Die Nebelschwanden verzauberten die Büsche, so daß deren Schatten wie Schatten von Menschen aussahen.

Hin und wieder schreckte ein Tier hoch und nahm reißaus vor uns. Über schmale Pfade, die auch von größeren Tieren benutzt wurden, erreichten wir schließlich den Rand des Wald, dort wo der Wald auf das Moor stieß. Zwischen Wald und Moor lag ein befestigter Grasstreifen, den man überqueren mußte, um in das Moor zu kommen.

Wir gingen nicht gleich ins Moor oder an das Moor heran, sondern suchten den Hochstand am Waldrand, um von dort aus, in das Moor zu sehen, wenn es der Nebel erlaubte.

Auf der Suche schauten wir auch ins Moor, aber zu sehen war nicht viel. Nur Nebelschwaden zogen über das Moor, und hüllten die einzelnen Bäume und Sträucher ein.

Endlich erreichten wir den Hochstand. Oben befand sich eine Kabine, so daß man dort geschützt war, wenn man dort Unterschlupf suchte.

Jetzt saßen wir oben und schauten durch das glaslose Fenster auf das Moor.

„Heute ist der Nebel dichter als sonst“, sagte Dieter.

„Eigentlich gar nicht. Der Nebel ist immer so dicht“, meinte Martin.

„Aber Rehe sind keine zu sehen“, meinte Andreas.

„Aber es gibt immer Regenwürmer zu sehen. Seht ihr den Baum da drüben, da sonnen sich gerade zwei Regenwürmer“, sagte ich lachend.

Die Freunde lachten leise, trotzdem konzentrierten wir uns auf das Beobachten.

Da, nein da, da war aber nichts oder doch. War da nicht ein Schatten, ziemlich groß? Nein es war nichts, und ich beobachtete weiter.

Die Nebelschwaden, mal dünn dann wieder dicht, zogen über das flache Moor. Hier und wieder hörte man eine Vogelstimme, ansonsten war es still. Wie in einer Gruft. Aber ich war doch noch nie in einer gruft gelegen, dachte ich, wie komme ich denn auf Gruft?

Dann hörte ich so etwas wie eine Stimme, oder war es nur ein Gedanke? > irgendwann wirst du auch einmal ein Grufti sein <

Nun einmal weg von den Blödeleien, und konzentrieren wir auf das Kommende, ich kenne es natürlich.

Plötzlich wurde es etwas dunkler, aber zur Mittagszeit, es muß erst 14.00 Uhr gewesen sein, aber es wurde wirklich dunkler. Aber dieses Geschehen erhöhte unsere Konzentration und wirklich, was war denn das, dachte ich, kommt da wirklich einer, und will der durch das Moor.

Jetzt merkte ich, daß sich die Landschaft etwas verändert hatte, auch saßen wir nicht auf einem Hochsitz, sondern auf einem Baum.

Die dunkle Gestalt ging schwer, als wenn sie eine Last tragen müßte. Der Nebel verzog sich etwas, wurde dünner, und dann sahen wir, daß die Gestalt eine menschliche Gestalt auf dem Rücken trug. Die Gestalt war männlich, das sahen wir jetzt deutlich, nur sein Gesicht konnten wir nicht erkennen, denn da wo das Gesicht war, war nur ein schwarzer Fleck.

Die Gestalt schleppte seine Last weiter, aber man hörte kein Keuchen oder sonst ein Geräusch, alles sind lautlos vor sich. An einem Tümpel blieb die Gestalt stehen. Den Tümpel hatten wir vorher auch nicht gesehen, aber jetzt war er da.

Der Mann drehte sich etwas und warf dann die Last von seiner Schulter. Wir sahen, daß es eine Frau war. Dann fiel die Frau in den Tümpel und das Wasser spritzte auf. Der Mann war plötzlich nicht mehr da,der Tümpel war verschwunden, es wurde gleich heller, und wir saßen wieder auf dem Hochsitz.

Wir waren ganz still. Man konnte schon sagen, wir gingen in uns, was es sonst nie gab, aber heute war so ein Tag.

„Habt ihr das gesehen?“ fragte Dieter und sah uns mit großen Augen an. Wir konnten nur noch nicken, denn noch immer waren wir sprachlos.

Dann erwachte in uns der Forschergeist. Wir verließen den Hochsitz und gingen zur Stelle, wo wir den Tümpel gesehen hatte, aber dort fanden wir nur Gras und Moos.

Wir machen hier ein Zeichen hin und gehen Morgen wieder ins Moor und graben nach der Leiche.

Am nächsten Tag nahmen wir eine Spitzhaken und einen Spaten mit und gingen ins Moor.

Wir gruben sehr fleißig und bald fanden wir die Frau, aber nur noch als Moorleiche.

Wir benachrichtigten den Förster von unserem Fund, und einen Tag später rückte die Polizei und die Gerichtsmediziner heran und bargen die Moorleiche ganz.

Wer die frau war und wer ihr Mörder, das fand man nicht heraus. Ob es da noch spukt, das weiß ich nicht, denn ich bin über 50 Jahre nicht mehr in diesem Moor gewesen.

„ich denke also bin ich“ und ich weiß, daß ich nichts weiß“


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